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Mein Pferd gibt die Hufe nicht – was wirklich dahintersteckt

Das Hufe geben gehört zu den alltäglichen Dingen im Umgang mit Pferden. Und trotzdem ist es für viele Pferdebesitzer immer wieder eine Herausforderung.

Vielleicht kennst du solche Situationen:

  • Dein Pferd zieht den Huf weg.
  • Es verlagert ständig das Gewicht.
  • Es wird unruhig.
  • Es zappelt herum.
  • Oder es möchte den Huf gar nicht erst heben.

Besonders bei Fohlen und Jungpferden kommt das häufig vor. Und oft entsteht schnell der Gedanke: „Mein Pferd will nicht.“

Doch in den meisten Fällen steckt etwas ganz anderes dahinter. Denn Schwierigkeiten beim Hufe geben entstehen selten aus Ungehorsam. Viel häufiger fehlen dem Pferd noch Verständnis, Balance oder Sicherheit. Und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Hufe geben ist mehr als nur einen Huf anheben

Wenn wir an das Hufe geben denken, konzentrieren wir uns oft auf das Ziel: Der Huf soll hoch.

Doch für das Pferd ist die Situation deutlich komplexer. Es muss:

  • verstehen, was wir von ihm möchten
  • sein Gleichgewicht verändern
  • Vertrauen haben
  • und sich dabei sicher fühlen

Gerade junge Pferde haben diese Fähigkeiten oft noch nicht vollständig entwickelt. Wenn wir das berücksichtigen, verändert sich unsere gesamte Herangehensweise. Die Frage lautet dann nicht mehr: „Wie bekomme ich den Huf?“

Sondern: „Was braucht mein Pferd, damit es ihn mir geben kann?“

Warum junge Pferde oft überfordert werden

In der Arbeit mit Fohlen und Jungpferden habe ich immer wieder etwas Interessantes beobachtet. Immer dann, wenn ich zu schnell zu viel wollte, wurden die Pferde unruhig. Ein Huf. Dann gleich der nächste. Dann vielleicht noch einer. Und irgendwann war der Kopf voll. Nicht weil das Pferd schwierig war. Sondern weil Lernen Zeit braucht. Also begann ich, meine Erwartungen kleiner zu machen.

Heute ein Huf. Gut gemacht. Fertig. Vielleicht morgen gar nichts. Vielleicht übermorgen ein anderer Huf. Und plötzlich wurde alles leichter.

Für die Pferde. Und für mich.

Fortschritt entsteht nicht nur durch Wiederholung

Viele Menschen glauben, Lernen entsteht vor allem durch ständiges Wiederholen. Doch Pferde haben mir immer wieder gezeigt:

Lernen entsteht auch durch Pausen. Durch Zeit zum Verarbeiten. Durch Momente, in denen das Erlebte wirken darf.

Gerade junge Pferde profitieren davon enorm. Nicht jede Trainingseinheit muss ein Fortschritt sein. Manchmal entsteht der größte Fortschritt zwischen zwei Trainingseinheiten.

Oft liegt das eigentliche Problem in der Balance

Viele Schwierigkeiten beim Hufe geben haben überraschend wenig mit Gehorsam zu tun. Dafür umso mehr mit Balance. Ein Pferd wird einen Huf nur schwer anheben können, wenn gerade sein gesamtes Gewicht auf diesem Bein lastet. Deshalb lohnt es sich, vor dem Hufe geben kurz zu beobachten:

  • Wie steht mein Pferd?
  • Ist das Bein belastet?
  • Kann das Pferd sein Gewicht überhaupt gut verlagern?
  • Wirkt es stabil?

Oft reicht bereits eine kleine Veränderung der Position. Und plötzlich wird die Situation deutlich einfacher.

Für das Pferd. Und für den Menschen.

Die Macht der kleinen Dinge

Vielleicht erinnert dich das an einen wichtigen Grundsatz: „Große Probleme entstehen oft aus kleinen Dingen.“ Nicht weil wir etwas falsch machen. Sondern weil wir wichtige Details übersehen. Beim Hufe geben können diese Details sein:

  • die Position des Pferdes
  • seine Balance
  • seine Aufmerksamkeit
  • seine Unsicherheit

Je früher wir diese Dinge erkennen, desto leichter wird die Situation.

Warum eine Wand manchmal helfen kann

Gerade bei unsicheren Jungpferden oder Pferden mit Balanceproblemen nutze ich häufig einen einfachen Trick. Ich stelle das Pferd in die Nähe einer Wand. Nicht direkt an die Wand gedrückt. Sondern so, dass das Pferd die Begrenzung wahrnehmen kann. Und möchte einen Huf von der anderen Seite.

Warum?

Viele Pferde fühlen sich dadurch stabiler und sicherer. Ob die Wand tatsächlich notwendig wäre, spielt dabei oft gar keine Rolle. Für das Pferd fühlt es sich sicherer an. Und Sicherheit ist eine wichtige Grundlage für Lernen. Wenn ein Pferd das Gefühl hat: „Mir kann hier nichts passieren.“ kann es sich viel besser auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren.

Verstehen statt Durchsetzen

Viele Menschen versuchen beim Hufe geben, das Problem über mehr Druck zu lösen. Doch häufig liegt die Lösung an einer ganz anderen Stelle. Nicht im Durchsetzen. Sondern im Verstehen. Wenn wir beginnen zu erkennen:

  • warum das Pferd zögert
  • wo seine Unsicherheit liegt
  • was ihm gerade fehlt

dann verändert sich die gesamte Situation. Denn plötzlich arbeiten wir nicht mehr gegen das Problem. Sondern gemeinsam mit dem Pferd an einer Lösung.

Dort beginnt feine Verbindung

Feine Verbindung entsteht nicht in den großen Momenten. Sie entsteht in den kleinen Alltagssituationen. Dann, wenn dein Pferd merkt:

  • Mein Mensch hört mir zu.
  • Mein Mensch versteht meine Schwierigkeiten.
  • Mein Mensch hilft mir.
  • Mein Mensch gibt mir Sicherheit.

Genau daraus entsteht Vertrauen. Und Vertrauen macht vieles leichter. Beim Hufe geben. Im Training. Und im gesamten Zusammenleben mit deinem Pferd. Denn oft liegt die Lösung nicht in mehr Druck. Sondern in mehr Verständnis.

Und genau dort beginnt etwas ganz Wichtiges: Vertrauen und die feine Verbindung.

Podcast: Feine Verbindung – Hufe geben: Verstehen statt Durchsetzen

Dieser Blog basiert auf meiner Podcastfolge:

„Feine Verbindung – Hufe geben: Verstehen statt Durchsetzen“

Den Podcast kannst du auf meiner Webseite hier unter „Hufe geben: Verstehen statt Durchsetzen“ anhören, oder auf:

Youtube: Feine Verbindung – Hufe geben, Verstehen statt Durchsetzen

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Seit über 30 Jahren begleite ich Pferde und Menschen auf ihrem gemeinsamen Weg. Dabei zeigt sich immer wieder: Die größten Veränderungen entstehen oft nicht durch mehr Druck, sondern durch mehr Verständnis.

 

Pferde verstehen lernen
Die Macht der kleinen Dinge