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Warum Deine Angst nicht das Problem ist

Viele Reiter kennen dieses Gefühl. Du sitzt auf deinem Pferd und merkst plötzlich, dass du angespannt wirst. Vielleicht beim Ausreiten.  Vielleicht auf einem jungen Pferd. Vielleicht nach einem Sturz. Oder einfach in einer Situation, die sich unsicher anfühlt. Und oft taucht sofort ein Gedanke auf: „Ich darf meinem Pferd meine Angst nicht zeigen.“ Diesen Satz hören viele Pferdemenschen immer wieder. Und er stimmt nicht. Was, wenn genau dieser Gedanke das eigentliche Problem ist?

Denn die Wahrheit ist: Dein Pferd weiß längst, wie es dir geht.

Pferde spüren mehr, als wir glauben

Pferde nehmen unglaublich fein wahr:

  • unsere Körperspannung
  • unsere Atmung
  • unsere Bewegungen
  • unsere Aufmerksamkeit
  • unsere innere Haltung
  • unsere Gefühle

Du kannst deinem Pferd nicht vorspielen, dass du völlig entspannt bist, wenn du es nicht bist. Und das musst du auch gar nicht. Denn Angst ist zunächst einmal etwas ganz Natürliches. Sie macht dich nicht zu einem schlechten Reiter. Und sie bedeutet auch nicht, dass du deinem Pferd schadest. Entscheidend ist etwas anderes: Was passiert mit/nach der Angst?

Die Angst ist nicht das Problem

Viele Menschen versuchen, ihre Angst zu bekämpfen. Sie wollen mutiger sein. Souveräner wirken. Stärker sein. Doch oft entsteht dadurch noch mehr Druck. Dabei habe ich in meiner Arbeit mit Mensch & Pferd immer wieder erlebt:

Nicht die Angst selbst entscheidet darüber, wie eine Situation verläuft. Sondern ob wir trotz unserer Gefühle handlungsfähig bleiben.

Eine Begegnung, die mich viel gelehrt hat

Vor einiger Zeit arbeitete ich mit unserem Kuschelpony. (Über ihn gibt es einen eigenen Blog: Kuschelpony) Er hat  in seinem Leben sehr schlechte Erfahrungen mit Menschen und Pferden gemacht. Seine Strategie war einfach: Angreifen, bevor man selbst verletzt wird. Nicht weil er böse ist. Sondern weil es gelernt hatte, dass dies der sicherste Weg war, um zu überleben.

Eines Tages stand das Kuschelpony einige Meter von mir entfernt im Paddock. Man konnte förmlich beobachten, wie zwei Stimmen in ihm arbeiteten. Eine sagte: „Geh zu ihr hin.“ Die andere sagte: „Bleib wo du bist.“ Schließlich fasste er Mut und kam auf mich zu.

Doch genau in diesem Moment, nahe bei mir, bekam er Angst vor seinem eigenen Mut. Und ehrlich gesagt: Ich bekam ebenfalls Angst. Denn ich wusste nicht, ob es stehen bleiben würde oder ob es in seine alten Verhaltensmuster „angreifen“ zurückfallen würde. Plötzlich standen wir beide da. Aufmerksam. Angespannt. Abwartend.

Das Kuschelpony hatte Angst vor mir. Und ich hatte Angst vor seiner Reaktion. Und genau dort wurde mir etwas sehr Wichtiges bewusst:

Die Angst war nicht das Problem. Weder seine noch meine. Das Entscheidende war, dass wir beide ruhig geblieben sind. Beide aufmerksam dem anderen gegenüber. Dass keiner von uns in Panik geraten ist. Dass keiner Druck gemacht hat.

Nach einigen – für mich ewigen – Sekunden machte das Kuschelpony einen kleinen Schritt zurück. Und ich ebenfalls. Wir gaben uns gegenseitig Raum. Wir hörten einander zu. Und genau deshalb ist die Situation nicht eskaliert.

Angst und Furcht – ein wichtiger Unterschied

Aus dem Mentaltraining kennen wir einen interessanten Unterschied.  Furcht ist etwas sehr Wertvolles. Sie macht uns aufmerksam. Sie hilft uns, Gefahren wahrzunehmen. Sie sorgt dafür, dass wir wach und präsent bleiben.

Angst dagegen zieht uns oft aus dem gegenwärtigen Moment heraus. Plötzlich denken wir an:

  • einen früheren Sturz
  • eine schlechte Erfahrung
  • das, was passieren könnte

Und genau dann reagieren wir nicht mehr auf die Situation vor uns. Wir reagieren auf Bilder in unserem Kopf. Und dadurch verlieren wir oft die Verbindung zur Realität. Und manchmal auch die Verbindung zu unserem Pferd.

Wenn sich Mensch und Pferd gegenseitig hochschaukeln

Vielleicht kennst du folgende Situation:

Du reitest an einer Stelle vorbei, an der dein Pferd früher einmal erschrocken ist. Noch bevor dein Pferd reagiert, wirst du selbst angespannt. Du hältst den Atem an. Deine Schultern werden fest. Deine Bewegungen verändern sich. Dein Pferd spürt das sofort. Es weiß zwar nicht, warum du angespannt bist. Aber es merkt: „Etwas stimmt nicht.“ Und plötzlich wird auch dein Pferd aufmerksamer. Vielleicht unsicherer. Dann reagierst du wiederum auf seine Unsicherheit. Und schon beginnt ein negativer Kreislauf, in dem ihr euch gegenseitig verstärkt.

Warum Atmung so wichtig ist

Wenn du merkst, dass Angst, Nervosität oder Unsicherheit aufsteigen, versuche nicht, diese Gefühle wegzudrücken. Stattdessen:

Atme. Langsam. Ruhig. Und vor allem länger aus als ein. Durch das längere Ausatmen sendest du deinem Nervensystem eine wichtige Botschaft: „Ich bin sicher.“ Gleichzeitig verändert sich auch deine Körperspannung. Und genau diese Ruhe kann dein Pferd wahrnehmen.

Manchmal hilft auch ein einfacher Satz: „Ja, ich sehe die Situation auch. Aber wir schaffen das gemeinsam.“ Dieser Satz verändert oft mehr, als wir denken. Denn plötzlich kämpfst du nicht mehr gegen deine Gefühle. Du nimmst sie wahr, bist authentisch deinem Pferd gegenüber – und bleibst trotzdem handlungsfähig.

Vertrauen bedeutet nicht, alles auszuhalten

Ein gutes Beispiel ist das Ausreiten. Angenommen, euch kommt ein Traktor entgegen. Du weißt, dass dein Pferd Traktoren schwierig findet. Und ganz ehrlich: Vielleicht findest du sie ebenfalls nicht besonders angenehm. Dann musst du niemandem beweisen, wie mutig du bist. Du kannst absteigen. Du kannst dein Pferd führen.

Du kannst dich bewusst zwischen Pferd und Traktor positionieren. Das ist kein Rückschritt. Das ist gute Führung. Denn damit gibst du:

  • deinem Pferd Sicherheit, weil Du es schützt
  • dir selbst Sicherheit, weil das Pferd immer von Dir wegspringen wird
  • und der Situation Ruhe

Lernen entsteht nicht unter Druck

Das gilt übrigens genauso für Pferde. Wenn ein Pferd Angst vor etwas hat, versuchen viele Menschen, es einfach hindurchzuschicken. Es muss da jetzt vorbei. Es muss das aushalten. Es muss das lernen.

Doch Lernen findet nicht unter Druck statt. Wenn ein Pferd Angst hat, braucht es zuerst:

  • Sicherheit
  • Ruhe
  • Vertrauen
  • Zeit

Und manchmal braucht der Mensch genau dieselben Dinge.

Vertrauen beginnt dort, wo wir präsent bleiben

Du musst nicht mutig sein. Du musst nicht perfekt sein. Und du musst deinem Pferd keine Angstfreiheit vorspielen. Aber du darfst lernen:

  • deine Gefühle wahrzunehmen
  • authentisch zu bleiben
  • ruhig zu atmen
  • präsent zu bleiben
  • handlungsfähig zu bleiben

Und deinem Pferd zu zeigen: „Ja, ich sehe die Situation auch. Und wir gehen gemeinsam hindurch.“

Genau dort entsteht Vertrauen. Nicht in der Abwesenheit von Angst. Sondern in dem Gefühl, dass man nicht allein damit ist.

Für dein Pferd. Und für dich.

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Podcast: Feine Verbindung – Angst – Warum Deine Angst nicht das Problem ist

Dieser Blog basiert auf meiner Podcastfolge:

„Feine Verbindung – Angst, warum Deine Angst nicht das Problem ist

Den Podcast kannst du auf meiner Webseite hier unter „Angst, warum Deine Angst nicht das Problem ist“ anhören, oder auf:

Youtube: Feine Verbindung – Angst, warum Deine Angst nicht das Problem ist

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