Unser kleiner Neuzugang

Diesen Blog möchten wir unserem kleinen Neuzugang widmen und euch damit über seine Fortschritte berichten. Es ist alles so unglaublich, dass wir die Idee dieses Blogs hatten. Der Kleine ist ein Tierschutzfall und wurde aus schlechten Haltungsbedingungen zu uns geholt. Er stand über Jahre als Hengst in einem dunklen Gewölbe ohne regelmäßiges Futter oder Wasser in seinem eigenen immer höher werdenden Mist. Einen Hufschmied hat er vermutlich nie aus der Nähe kennengelernt. Seine vielen kleinen und großen Verletzungen (verletztes Auge) stammen von Rangkämpfen mit anderen Hengsten auf engem Raum.

Unser Kleiner ist jetzt ca. 8 Jahre alt. Einem älteren, rohen Hengst alles von Grund auf beizubringen ist sehr spannend und teilweise herausfordernd. Aber als guter Ausbildungsbetrieb verfügen wir über ausreichend Erfahrung dafür. Das einzig Positive an seiner Vergangenheit ist, dass unser Kleiner mit Menschen bisher keine (schlechten) Erfahrungen gemacht hat.

Die beiden folgenden Fotos bieten einen Vergleich vom ersten Tag zur aktuellen Zeit.



Woche 1 / 2 / 3 / 4 / 5 / 6 / 7 / 8 / 10 / 12
Monat 4


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Monat 4

In den letzten beiden Wochen haben wir den Pferden die Koppel und das schöne Wetter gegönnt. Ohne wirkliche Arbeit, einfach "Urlaub". Im Herbst kommt wieder ausreichend Zeit, um weiter zu arbeiten. Abgesehen davon haben wir wirklich über 5 Wochen gebraucht, um ein passendes Kappzaum für das Kellerkind zu finden. Alle Dinge von unseren Großpferden sind ihm zu groß, von unseren Ponys zu klein. Nach etwas herumprobieren haben wir jetzt endlich die gesamte Ausrüstung beisammen.

Mittlerweile traut sich unser Kellerkind die gesamte Koppel zu nützen - auch dort wo sehr viel Gras steht. Und wir müssen ehrlich gestehen - wir haben es total übersehen. Unser Kellerkind hat seit dieser Woche einen (hoffentlich temporären) weiteren Spitznamen: "Rollmops".

Und weil das mit der Koppel jetzt so gut klappt, haben wir ihm bereits den Reitplatz gezeigt. Ui, schon wieder so viel Platz. Viel zu viel Platz für den Kleinen... Mittelfristig aber der richtige Trainingsplatz, um die zu vielen Kilos in Muskeln zu verwandeln!



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Woche 12

In der letzten Woche bekam unser Kleiner einen neuen Spitznamen: "Kellerkind".

Seit der Reitwoche wurde die Box der einzig "sichere" Ort für ihn (unsere Box ist das "Hilton" im Gegensatz zu seinem ursprünglichen Verlies) - es war unglaublich, aber nachvollziehbar. Nichts anderes hat er in seinem bisherigen Leben gelernt. Das mussten wir langsam ändern. Also machten wir am Abend seine Box auf, warfen ihn auf sein weit geöffnetes Paddock und machten die Boxentür zu. Zuerst stand er nur an der Tür und wollte wieder in die Box. Letzten Endes siegte doch die Neugier und er wagte erste Schritte rund um sein Paddock. Beim kleinsten Geräusch lief er wieder in sein sicheres Paddock zurück. Um danach wieder mutig den Hof zu erkunden. Mit den Tagen wurden die Erkundungstrips immer größer und er wurde zusehens sicherer. (Es ist super, dass soetwas bei uns möglich ist.) Unser kleines Kellerkind traute sich sogar schon zu den Großen, um mal Hallo zu sagen. Von Tag zu Tag wurde er wieder selbstsicherer und nervenstärker. Er "half" uns dann sogar beim Heu füttern.

Und so ganz nebenbei hat er jetzt das Zaumzeug mit Gebiss vollständig akzeptiert. Er kann sogar schon ein Leckerli mit Trense fressen! Neue Dinge lernt er extrem schnell, aber der gewöhnliche Alltag bereitet ihm riesen Probleme.



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Woche 10

Diese Woche war unsere Mädls-Reitwoche. Zu Beginn durften die Mädchen einmal beim Freilaufen zusehen. Sie blieben alle ganz still und auf Abstand. Unser Kleiner war neugierig und ging von sich aus auf die Mädchen zu. Da das ganze unserem Kleinen trotz Neugier sichtlich unangenehm war, hielten wir ihn den Rest der Woche komplett aus dem Programm heraus. Er konnte den Trubel von seiner "sicheren" Box aus beobachten und keiner außer uns ging zu ihm. Er durfte immer dann in die Halle, wenn alle Kids aus dem Stall waren. Trotzdem stresste ihn diese Woche. Er beeilte sich immer sehr, wieder in seine Box zurück zu kommen. Und war auch nie mehr am Paddock gesichtet. Die nächsten Wochen müssen wir ganz ruhig und vertraut gestalten, um ihm wieder mehr Sicherheit zu geben.



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Woche 8

Nachdem er seine Fliegenmaske total zerstört hat, mussten wir kurzfristig auf Fransen umsteigen. Selbst ein Laufen damit war kein Problem. Mittlerweile können wir einen Longiergurt mit Leinen, die bei Bewegung an den Bauch klopfen, verwenden. Und diese Woche durfte er bereits einmal mit Zaumzeug laufen. Er fand das weniger cool und probierte, ob man das Gebiss nicht ausspucken kann.



Da jetzt die Lernfortschritte länger dauern, werden wir den Blog nicht mehr wöchentlich aktualisieren, sondern mit einem etwas größeren Zeitraster. Ein Pferd kann nicht in einer Woche anlongiert oder auf den Reiter vorbereitet werden. Auch das Anreiten dauert länger, er wird uns die Zeit vorgeben. Jetzt müssen Gebiss und Longiergurt gefestigt werden. Ebenfalls muss durch das Training seine gesamte Muskulatur aufgebaut werden. Erst dann können wir beginnen, Gewicht auf seinen Rücken zu geben. Natürlich berichten wir hier weiterhin von seinen Fortschritten!

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Woche 7

Diese Woche kam das erste Mal der Hufschmied zu unserem Kleinen. Er war in Summe für "sein allererstes Mal" sehr anständig. Es konnten alle 4 Hufe ordentlich bearbeitet werden. Alles komplett ohne Sedierung - wir sind richtig stolz auf unseren Kleinen! Und natürlich auf unseren extrem kompetenten und ruhigen Hufschmied!

Diese Woche gabe es auch das erste Mal für kurze Zeit einen Paddock-Nachbarn. Nach dem ersten Beschnuppern, Gequitsche und Imponiergehabe, das unseren Professor völlig unbeeindruckt ließ (aus diesem Grund haben wir auch ihn ausgewählt), stellte sich der Kleine wieder in seine Box und beschloss, das war genug für heute.

Weitere Fortschritte:

  • Keine Angst mehr vor den Pendeltürfolien
  • Hufschmied (!!)
  • Sein Fell beginnt seit letzer Woche richtig zu glänzen.


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Woche 6

Diese Woche brachte dem Kleinen wieder viel Neues. Er durfte, wie alle anderen Pferde, auf seine Wiesenkoppel. Diesmal ohne uns. Obwohl die Nachbarpferde alles ganz entspannt sahen und wirklich Ruhe ausstrahlten, war es für ihn eine richtige Nervenprobe. Seine Koppel ist am weitesten von der Straße entfernt, aber die Eindrücke waren gewaltig. Vogelgezwitscher, Autos, Spaziergeher, ... was sich da alles tut. Einzig die Katze wirkte vertraut. Das wird noch viel Zeit brauchen, bis er wie alle anderen Pferde die Koppel genießt.

Weitere Fortschritte:

  • Grasen auf der Wiesenkoppel
  • Ein Zaumzeug mit Gebiss kennenlernen
  • Pendeltürfolien (mit riesem freiem Gang), die beim Ein-/Ausgehen vom Paddock das Fell berühren.


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Woche 5

In dieser Woche war der Wendepunkt seines Fressverhaltens. Wir haben ihn endlich satt bekommen und er hat begriffen, dass es wirklich immer regelmäßig Futter gibt. Und auch, dass wir öfter nach dem Rechten sehen, ohne lautstarkes Wiehern. Es ist schön zu sehen, dass er am Paddock steht und alles interessiert beobachtet, obwohl noch Heu in der Box liegt.

Er durfte auch einen geführten Ausflug auf die große Wiesenkoppel machen. So viel "große, weite Welt" ist ihm doch ein wenig unheimlich. Unfassbar, dass er soetwas in seinem Leben noch nie sehen durfte. Die letzten Wochen brachten ihm so viele neue Eindrücke - unglaublich was er gerade alles (extrem gut) verarbeitet.

Neues aus dieser Woche:

  • Jederzeit alle 4 Hufe geben - jetzt auch verlässlich hinten.
  • Erstmals mit einem Longiergurt am Rücken laufen.
  • Es gibt eine große, weite Wiesenkoppel, die noch ziemlich unheimlich ist.
  • Und so viele Eindrücke zu verarbeiten....


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Woche 4

Diese Woche verlief etwas ruhiger, da wir immer noch mit der Nachsorge der Kastrationswunde beschäftigt sind. Alles verheilt sehr gut, braucht aber Zeit. Der Kleine verblüfft uns immer wieder über seine Intelligenz und Lernbereitschaft. Neues von dieser Woche:

  • Fliegendecke - wirkt beruhigend auf die Nerven!
  • Mit Fliegenspray überall einsprühen lassen.
  • Grundkommandos Schritt, Trab und Galopp beim Freilaufen auf beiden Seiten ausführen - "Halt" funktioniert auch schon super.
  • Ohne Strick mit den Bezugspersonen mitgehen, stehen bleiben und auch rückwärts gehen.
  • Boxentür selbst nach außen öffnen (!), wenn man in die Box will.
  • Lautstarkes Wiehern hilft, damit jemand nach dem Rechten sieht und das Futter niemals ausgeht.


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Woche 3

Diese Woche war der Augenspezialist bei unserem Kleinen. Leider ist er auf einem Auge tatsächlich vollständig blind (wir hätten so gehofft, dass er zumindest hell/dunkel sehen kann). Vermutlich durch eine Verletzung, mit nachfolgender bakteriellen Entzündung, die nicht behandelt wurde. Wir müssen weiterhin im täglichen Umgang berücksichtigen, dass er uns auf einer Seite nicht sieht. Dafür hat er sich beim Laufen schon gut zurecht gefunden und orientiert sich mittlerweile an der Wand und an unserer Stimme.

Unser schlaues Kerlchen hat diese Woche wieder folgendes gelernt:

  • Hufe vorne zu jeder Zeit auskratzen.
  • Hufe hinten anheben und kurz halten. Aufgrund der Kastration ist ihm das noch ziemlich unangenehm.
  • Am Waschplatz angehängt stehen und sich vollständig abspritzen lassen.
  • Am Putzplatz angehängt stehen und sich putzen lassen, frei in der Box putzen lassen.
  • Augensalbe und Augentropfen ins Auge geben.
  • Es gibt Bremsen und Insekten die beißen - da werfen wir schon mal die Nerven weg! (So was gab's im Verlies nicht... Für kommende Woche steht "Fliegendecke kennen lernen" fix am Programm!)


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Woche 2

Wir sind immer noch begeistert, was unser "Kleiner" in der ersten Woche alles gelernt hatte. Mittlerweile kann er sein Paddock immer benutzen, und akzeptiert die anderen Pferde mit etwas weniger Abstand. Da bald der Augenspezialist ansteht, müssen wieder einige Dinge dazugelernt werden:

  • Halfter abnehmen und wieder hinaufgeben.
  • Führen lassen.
  • An anderen Pferden (auch Stuten) mit (zwar Abstand, aber) Benehmen vorbeigehen.
  • Völlig entspannt am Paddock stehen, auch wenn die anderen Pferde vorbeigehen.
  • Fliegenmaske aufsetzen lassen und tragen.
  • Völlig freies und ruhiges Stehen beim Abspritzen bis inkl. Bauch.
  • Hufe vorne geben und etwas halten.
  • Sich putzen lassen und am Putzstand (gehalten) stehen.
  • Grasen (auch das muss ausprobiert und gelernt werden).
  • Im Futterbarren sind immer leckere Dinge.
  • Kraulen und streicheln ist super.....

Der Lernfortschritt ist gewaltig und schön langsam wird der wilde (Ex-)Hengst zum kleinen Schmuse-Bär. Und gibt zu, dass er vor den zwei schwarzen riesengroßen - in seinen Augen Hengste - gehörigen Respekt hat. Wir müssen natürlich dazu sagen, dass unser Großer auch erst mit 9 Jahren kastriert wurde und dementsprechend einfach der Leithengst IST. Er muss es nicht zeigen. Er IST einfach, ohne Theater. Mit Ruhe und Ausstrahlung - und groß, sehr groß.....



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Woche 1

Es dauerte ein paar Tage, bis sich unser kleiner Hengst eingelebt hatte. Wir hatten ein straffes Programm, da die Kastration und erste Grundbehandlung (Hufe, Auge) bereits am 5. Tag anstand. Damit eine ordentliche Nachsorge möglich ist, mussten ein paar grundlegende Dinge gelernt werden. Dazu kamen noch ein paar Dinge mehr, die für all unsere Pferde selbstverständlich sind:

  • Ausmisten der Box gestatten.
  • Jederzeit ausreichend gutes Qualitäts-Futter.
  • Benutzen eines Wassertränkers - Wasser jederzeit zur Verfügung.
  • Freies Bewegen aus der Box ins Paddock und zurück.
  • Sonne auf dem Fell.
  • Gras (als Zusatz zum Heu).
  • Miteinander gehen (von Führen sind wir hier noch etwas entfernt).
  • Berührungen am ganzen Körper inkl. Kopf.
  • Laufen in der Halle.
  • Medikamentengabe (direkt ins Maul).
  • Abspritzen der Beine.

Die Fortschritte des Kleinen waren unglaublich und kaum zu fassen. Mussten wir anfangs die Box noch mit Strom zusätzlich absichern, um ein Hengstverhalten den anderen Pferden gegenüber zu unterbinden, war er bereits nach wenigen Tagen ruhiger und akzeptierte seine neue Box. Das Benützen des Paddocks war nur möglich, wenn die anderen Pferde ausreichend weit entfernt waren.